Familienzentren in NRW

Familienzentren bei den "KölnKitas"

In vier ausgewählten Sozialräumen werden die Tageseinrichtungen für Kinder der KölnKitas gGmbH zu Familienzentren nach dem Galeriemodell ausgebaut. Das Galeriemodell zeichnet sich dadurch aus, dass in der Tageseinrichtung konkrete Beratungs- und Hilfsangebote für Eltern von unterschiedlichen Institutionen angeboten, aber auch Kontakte über die Tageseinrichtungen zu externen Institutionen vermittelt werden.

Ein Vortrag von Begoña Talegón, Fachberatung der KölnKitas gGmbH, Köln, über das Projekt

"Weiterentwicklung von Kindertagesstätten der KölnKitas gGmbH
 zu Familienzentren"

aus Anlass des Kindergartenkongresses  ?Zukunft wächst im Kindergarten? zum, 85jährigen bestehen des Landesverbandes  Katholischer Kindertagesstätten
Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V. am 23.11.2006 in Stuttgart 

 

 

Politische Grundlagen und Rahmenbedingungen

Die Geschichte der Familienzentren in NRW beginnt mit dem Wechsel der Landesregierung im Mai 2005. Die neue Regierung setzt sich das Ziel zum kinder- und familienfreundlichsten Bundesland in Deutschland zu werden. Als wichtigen Ansatzpunkt sieht die Regierung dabei die Tageseinrichtungen für Kinder.

Auf dem Hintergrund der Ergebnisse der PISA-Studie hat es in der Vergangenheit bereits entscheidende Ansätze gegeben den Bildungs- und Betreuungsauftrag des Kindergartens den veränderten Lebensbedingungen für Kinder, auch auf dem Hintergrund zu nehmenden Armut, entsprechend anzupassen und präventiv auszurichten:

  • Schaffung von zusätzlichen / den Hort ersetzenden Betreuungsmöglichkeiten für Kinder im Schulalter durch die offene Ganztagsschule
  • Veränderung der Erzieher/innen-Ausbildung durch die  "Richtlinien und Lehrpläne zur Erprobung an Fachschulen des Sozialwesens - Fachrichtung Sozialpädagogik"
  • "Bildung und Erziehung stärken"
    Rahmenkonzept des Ministeriums für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW zu PISA 2000
  • "Erfolgreich starten! Schulfähigkeitsprofil als Brücke zwischen Kindergarten und Grundschule"
    Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes NRW
  • Entwicklung von Richtlinien zu einer qualifizierten Sprachförderung in Tageseinrichtungen für Kinder
  • Vereinbarung zu den Grundsätzen über die Bildungsarbeit der Tageseinrichtungen für Kinder - "Bildungsvereinbarung NRW"
  • Tagesbetreuungsausbaugesetz TAG - ein Bundesgesetz, für einen qualitätsorientierten und bedarfsgerechten Ausbau der Tagesbetreuung und zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe.

Im August 2005 veröffentlicht der Paritätische Wohlfahrtsverband mit der Studie "Zu wenig für zu viele - Kinder und Hartz IV" eine erste Bilanz der Auswirkungen des SGB II, Grundsicherung für Arbeitssuchende. In der Studie wird deutlich, dass Kinder eindeutig die Verlierer der Hartz-Gesetzgebung sind und seit der veränderten Gesetzgebung deutlich mehr Kinder auf dem Niveau der früheren Sozialhilfe leben.
Armut belastet das gesamte Familiensystem und die Eltern brauchen zunehmend Hilfe und Unterstützung bei der Erziehung ihrer Kinder. Die Kinder brauchen zunehmend mehr Unterstützung und Anregungen um die weit reichenden Folgen von Armut zu kompensieren
So beschließt die Landesregierung die Familien in ihrer Erziehungs- und Betreuungsaufgabe zu unterstützen und die frühkindliche Bildung zu verbessern.

"Ein zentraler Baustein auf einem solchen Weg ist neben dem Ausbau des Betreuungsangebotes für unter dreijährige Kinder die Weiterentwicklung von Kindertagesstätten zu Familienzentren. Damit können Kinder und Familien gemeinsam gefördert und nachhaltig unterstützt werden. Ziel ist die Zusammenführung von Bildung, Erziehung und Betreuung als Aufgabe der Kindertageseinrichtungen mit Angeboten der Beratung und Hilfe für Familien. Förderung von Kindern und Unterstützung der Familien können dann Hand in Hand gestaltet werden."

Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.familienzentren.nrw.de/

In einer Regierungserklärung vom 13.Juli 2005 setzt sich die Landesregierung zum Ziel für das kommende Jahr in jedem Jugendamtsbezirk von NRW (178) ein Familienzentrum zu schaffen.

 

Strukturen, Konzept und Aufgaben der Familienzentren in NRW

Im September 2005 lädt das Ministerium Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Träger und Verbände zum "Workshop Familienzentren" nach Hamm ein. Im Rahmen dieses Workshops wird zunächst definiert, welche Aufgaben Familienzentren in NRW haben sollen:

"Das Konzept der Familienzentren sieht vor, dass Kitas als alltagsnahe niedrigschwellige Begegnungsorte neben ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag gegenüber den Kindern, Familien als System unterstützen. Dazu gehören vor allem Hilfen zur Stärkung der Erziehungskompetenz und zur Alltagsbewältigung, die orientiert am Sozialraum ausgestaltet sein soll."
(Workshop "Familienzentren" 28.09.2005 Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW)

Familienzentren können folgende Strukturmodelle haben:
-    Lotsenmodell
Die Tageseinrichtung für Kinder ist die erste Anlaufstelle für ratsuchende Eltern und organisiert die Vermittlung an nahe gelegene externe Institutionen und Beratungsstellen

-    Unter einem Dach
Alle Hilfs- und Beratungsangebote befinden sich in den Räumen der Tageseinrichtung für Kinder, oder in einem Haus, in dem neben den Hilfs- und Beratungsangeboten auch die Kindertagesstätte (meistens in gleicher Trägerschaft) untergebracht ist

-    Galeriemodell
Hierbei handelt es sich um eine Mischung der beiden vorher aufgeführten Modelle: Die Tageseinrichtung für Kinder vermittelt weiterhin an externe Fachstellen, stellt aber auch regelmäßige Beratungs- und Unterstützungsangebote im eigenen Haus bereit


Im Januar 2006 ruft das Ministerium alle Kindertagesstätten zur Beteiligung am Landeswettbewerb "Familienzentren NRW" auf. In einer Pilotphase sollen 178 Tageseinrichtungen für Kinder zum Familienzentrum weiterentwickelt werden. Sechs Einrichtungen, die bereits über das Angebotsspektrum zukünftiger Familienzentren verfügen oder sich in einer fortgeschrittenen Entwicklungsphase befinden, werden als "Best-Practice-Einrichtung" ausgewählt.
Auf diese Ausschreibung bewerben sich 1004 Einrichtungen und schließlich wählt das Ministerium 251 Piloteinrichtungen in NRW aus, die sich im Laufe eines Jahres zu einem Familienzentrum weiterentwickeln sollen und am Ende nach festgelegten Kriterien das Gütesiegel "Familienzentrum NRW" erhalten.  Die ausgewiesenen Familienzentren erhalten eine zusätzliche finanzielle Förderung: 12.000 Euro im Jahr

Folgende Leistungsbereiche werden für Familienzentren in NRW festgelegt:

1.    Beratung und Unterstützung von Kindern und Familien
2.    Familienbildung und Erziehungspartnerschaft
3.    Kindertagespflege
4.    Vereinbarkeit von Familie und Beruf
5.    Sozialraumbezug
6.    Kooperation und Organisation
7.    Kommunikation
8.    Leistungsentwicklung und Selbstevaluation

Bis zum Jahr 2012 sollen im Land NRW ca. 1/3 aller Tageseinrichtungen für Kinder zu Familienzentren ausgebaut werden.

 

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