Hier in der Kita-Hedwig-Wachenheim-Karree, die mitten im Waldbadviertel liegt, in dem ein großer Teil unserer Familien wohnt, bekommen wir auch in Corona-Zeiten viel Besuch. Durch das Bürofenster oder das Gartentor unterhalten wir uns mit viel Abstand mit einzelnen Kindern und Eltern.

Die Kinder bringen uns ihre Bilder, Briefe und Selbstgebasteltes vorbei. Auch der Briefkasten ist regelmäßig gut gefüllt. Wir haben alles in unsere Fenster zur Straßenseite gehängt, die Kinder freuen sich, wenn sie ihre Werke entdecken, z.B. die Rakete, die Corona ins All schießt. Bald gibt es keinen Platz mehr an den Fenstern, dann müssen wir uns noch etwas einfallen lassen. Zum Abschied unseres von uns allen geliebten Hausmeisters Giuseppe, haben die Kinder ihm Bilder gemalt, die wir zu einem Buch gebunden haben. Wir hoffen, dass wir uns bald noch alle persönlich von ihm verabschieden können.

Eines Morgens nach einem Wochenende gab es eine besonders tolle Überraschung. Ganz viele Kinder waren vorbeigekommen und hatten gemeinsam mit ihren Eltern Grüße an uns mit Kreide vor die Kita gemalt und geschrieben.

Manche Kinder schicken auch E-Mails oder kleine Videobotschaften und mit manchen Kindern haben wir auch schon telefoniert. Zum Beispiel mit den Vorschulkindern, die sich natürlich alle aussuchen konnten, wie ihre Schultüte aussehen soll, die dieses Jahr von uns gebastelt wird. Oder mit einigen Geburtstagskindern, denen wir neben einem persönlichen Geburtstagsbrief auch telefonisch gratuliert haben.

Aber vor allem haben wir geschrieben. Jedes Kind hat einen langen persönlichen Brief bekommen, in dem wir darüber berichten, wie unser Alltag in der Kita oder im Homeoffice zurzeit aussieht, aber auch mit der Frage, was sie zu Hause erleben, welche Freunde sie vermissen und wie sie sich die Zeit ohne Kita vertreiben. Zur Verteilung dieser Briefe haben wir selbst Briefträger gespielt.

Und dem Osterhasen haben wir natürlich auch geholfen und an alle Kinder selbstgebastelte Osterkörbchen verteilt.

 

Mit den wöchentlichen Mails, die über den Elternbeirat an alle Familien verschickt werden, erreichen die Eltern Briefe mit wichtigen Informationen, aber auch immer wieder mit dem Angebot, sich zu melden, wenn sie Rat und Unterstützung in dieser besonderen Situation brauchen. Und über den E-Mail-Verteiler und die Post „versorgen“ wir die Kinder auch mit „Hausaufgaben“ und Spielideen.

Jede Familie hat jetzt zu Hause Portfolioseiten. Wir freuen uns, wenn die Kinder zur Kitaöffnung ausgefüllte Seiten mitbringen, damit wir sehen, was sie geschafft, erlebt und gelernt haben und auch diese Zeit zu Hause im Portfolioordner dokumentiert wird.

Mit Pflanzanleitungen haben wir dazu aufgefordert, Kräuter, Salat, Gemüse und Blumen für unsere Beete vorzuziehen. Wir sind gespannt, wie hoch die Bohnenpflanzen der Vorschulkinder (Bohnen wurden per Post verteilt) gewachsen sein werden, wenn sie wieder zu uns kommen.

 

Und ob die Süßkartoffeln, die die Familien sich abholen konnten, tatsächlich so verrückte „Frisuren“ bekommen haben, wie auf dem Foto.

 

 

 

 

 

 

Unsere Sprachfachkraft hat Büchertaschen zum Ausleihen gepackt und auch Spiele, die die Kinder vermissen, können ausgeliehen werden.

Für die nächsten Wochen sind „Zaungespräche“ zu fest vereinbarten Zeiten mit allen Familien (einzeln) geplant, die Lust und Zeit haben, vorbei zu kommen.

 

Mit den Kindern in der Notbetreuung erleben wir eine spannende Zeit. In der ersten Woche war es „nur“ ein dreijähriges Mädchen und sie hat es sooo genossen, bei den beiden Erzieherinnen im Mittelpunkt zu stehen.

Ebenso wie ein sechsjähriger Junge, der uns Erzieherinnen alle beim Fußballturnier antreten ließ.

Aber auch mit ein paar Kindern mehr, erleben die Kinder immer noch traumhaft viele Freiräume: Die Turnhallenzeit wird kaum begrenzt, im Außengelände ist für jedes Kind ein Rädchen da und jedes Kind darf sich sein Wunschessen aussuchen. Da darf es auch mal jede Woche Pizza geben…

Es ist viel Zeit zum Vorlesen und Spielen mit den ErzieherInnen.

 

An einem Tag entstand spontan auf Initiative von drei Jungen
ein Zeltbau-Projekt im Sandkasten. Drei Kinder und zwei Erzieherinnen, die den ganzen Tag Zeit haben, gemeinsam ihre Ideen umzusetzen – ein Traum wird wahr!

Und in unserer Notgruppe wurde sogar eine neue Erzieherin „eingewöhnt“. Es hat auch Vorteile, wenn man Kinder und KollegInnen und Abläufe so nach und nach ganz in Ruhe kennenlernen kann

Eine ungewohnte Situation ist sicher, dass die Eltern die Kinder nur bis zur Eingangstür bringen. Aber die Kinder nehmen das recht gelassen hin und wie schnell das Hausschuhe anziehen klappt, wenn man Mama und Papa nicht mit Rumtrödeln „ärgern“ kann.

Auch das Händewaschen wird immer besser, wenn es mit Liedern begleitet, täglich mehrmals geübt wird. Erstaunt beobachten wir Kleinkinder, die schon verinnerlicht haben, in ihre Ellenbeuge zu niesen. Und wieviel ist eigentlich 1,50 m Abstand? Das kann man mit dem Zollstock, aber auch mit anderen Gegenständen nachmessen.

Manchmal ist „Conora“  – im Wortschatz der Jüngsten schon fest verankert – aber einfach nur blöd und soll weggehen. Zum Beispiel, wenn die Lieblingserzieherin gerade in der anderen Gruppe arbeitet und nicht besucht werden darf, noch nicht mal, um ihr ein Bild zu bringen. Oder wenn der Kindergartenfreund auf der anderen Seite vom Gartenzaun steht und man doch so gerne miteinander spielen und nicht nur reden würde.

„Wir denken an euch“ mit einem großen Regenbogen, den die Kinder in der Notbetreuung gemalt haben, hängt auf riesigen Plakaten in unseren Fenstern. Egal ob wir pädagogischen Fachkräfte und die Kinder in der Kita oder die Kinder und Eltern zu Hause, wir alle vermissen uns gegenseitig. Und auch, wenn wir jetzt alle versuchen das Beste aus dieser Zeit zu machen, es wäre so schön, wenn sie bald vorbei wäre…