Seit vielen Jahren ist unsere Kita sehr engagiert im „Haus der kleinen Forscher“. Vor 5 Jahren das erste Mal zertifiziert, im letztem Jahr mit einem tollem Projekt zum Thema „Nachhaltigkeit von Kleidung“ rezertifiziert, wollten wir noch mal probieren an einem Wettbewerb teilzunehmen. “Forschergeist“ heißt der Wettbewerb der oben genannten Stiftung und sollte ein letztes Mal für Familienzentren und Kitas stattfinden.

Unsere Forscherthemen werden gemeinsam mit den Kindern entwickelt, denn nur was die Kinder brennend interessiert, wird mit Begeisterung verfolgt und in alle Kita-Gruppen weitergetragen. Grundlage hierfür ist eine gute Beobachtung. So kamen wir auf unser Thema:

Viele Flugzeuge fliegen täglich über das Außengelände unserer Kita hinweg. Den älteren Kindern ist aufgefallen, dass diese winzig klein aussahen. Die meisten Kinder waren aber bereits mit einem Flugzeug verreist und wussten daher, wie groß es in Wirklichkeit war. Wie konnte das also sein?

Zusammen mit 15 Kindern gingen wir diesem Phänomen auf den Grund.

Wir starteten am 23. November 2019 mit „Heraus gezoomt“. Die Kinder standen auf unserem Klettergerüst und eine Erzieherin ging mit einem kleinen Spielzeugauto auf der Hand stets ein Stück weiter weg. Wie lange konnte man  das Auto sehen? Nach ca. 20 Metern war es ganz aus dem Blickfeld der Kinder verschwunden.

Bis zu unserem nächsten Treffen bekamen die Kinder die Hausaufgabe, klitzekleine Dinge mit zu bringen. So kam eine große Menge an winzig kleinen Tierchen, Spielzeugen oder Dingen aus der Küche wie z. B. Pfefferkörnern  zusammen. Wir malten auf Tapete den Körperumriss eines Kindes und begannen nun, all die kleinen Dinge dort aufzukleben. Die Kinder waren sich nicht sicher, ob die Menge des Materials reichen würde. Zudem war das Kleben eine echte „Fummel-Arbeit“.

Kleine Dinge wie z. B. eine Gewürznelke konnten extrem riechen oder so scharf sein, wie eine Chillischote! Wir betrachteten Salzkörner unter einem Mikroskop –  welch wundervolle Struktur! Klitzekleine Dinge brachten die kleinen Forscher ständig zum Staunen.

Als das Werk fertig war – die vielen Teile hatten gereicht – hingen wir das Bild in unserem Kita Flur auf. Jetzt durften alle Familien gemeinsam mit ihren Kindern raten, wie viele Teile wir aufgeklebt hatten.

Immer wieder beziehen wir die Familien der Kinder mit „Forscheraufgaben“ in das Projekt mit ein. Eine Aufgabe war, andere Worte für „klitzeklein“ zu finden. Je nach Herkunftsland und Kulturkreis kamen da witzige Namen heraus. „Klein, wie ein Fliegenschiss“ brachte ein Riesengelächter hervor.

Die Forscherkinder fotografierten Dinge aus unserer Kita. Einmal in ganzer Ansicht, einmal nur eine Detailaufnahme. Im Flurbereich aufgehängt, konnten dann alle Familien mit rätseln, um welchen Gegenstand es sich handeln würde.

Am 6. November 2019 erhielten wir eine Führung durch den Flughafen Köln/Bonn. Den Ursprung unseres Forschens wollten wir noch mal genauer unter die Lupe nehmen. Zu unserem großen Glück durften wir sogar eine Flugzeughalle von innen betreten, denn der Papa eines Forscherkindes ist hier tätig. Kleine Flugzeuge, z. B. für Krankentransporte, werden hier repariert. So bestaunten wir einen winzigen Schraubenschlüssel, welcher bei der Technik verwendet wird, ebenso wie einen riesigen Schlüssel zur Montage der großen Flügel.

Auf Wunsch der Kinder, die einmal ganz nach oben auf ein hohes Dach steigen wollten, erklommen wir die Turmspitze des Kölner Doms. “Die Menschen sehen aus wie kleine Ameisen“ – schöner hätten die Kinder die Vogelperspektive nicht beschreiben können. Überhaupt hat der Dom die Kinder sehr fasziniert.

Ein Kind wollte wissen, wie oft er in die Länge der Kreuzblume hinein passen würde. Daraufhin haben die Kinder in Teamarbeit ihre Körpergröße gemessen und verglichen. Auf dem Fußboden unserer Turnhalle wurde mit einem Maßband 9,50 m aufgemalt und die Kinder konnten ausprobieren, wie oft sie in diese Länge hineinpassten.

Inzwischen war es Dezember geworden. Passend zu der Jahreszeit und dem Thema „Zerkleinern“ backten wir den Kölner Dom mit gemörsertem Löffelbiskuit.

Am 8. Januar 2020 besuchten wir erneut den Kölner Dom.

Die riesige Krippe, die vielen imposanten Säulen, das Richterfenster mit den 72 verschiedenen Farben, die tollen Mosaikböden – überall fanden die Kinder beeindruckende Werke in klitzeklein und riesengroß. Zu unserer großen Freude konnten wir an jenem Tag sogar den goldenen Schrein der Hl. Drei Könige von ganz nahem sehen. Ein Mädchen, von dem vielen Gold und den Edelsteinen ganz entzückt, meinte: “Den will ich auch mal haben, wenn ich gestorben bin“.

Glühend vor Begeisterung malten die Kinder Sterne aus Kreide auf die Domplatte.

Ein Stern – wie sieht der eigentlich aus und wie groß ist der? Schon kamen wir zur nächsten Forscherfrage.

Im Rollenspiel spielten die Kinder die Geburt der Sterne nach, erfuhren von der Supernova, der Explosion und dem Sterben eines Sternes. Wir schauten auch Filme zu dem Thema. Lochkarten von Sternenbildern brachten mithilfe einer  Taschenlampe den „Großen Wagen“ auf unserer Turnhallenwand zum Leuchten. „Welches Sternzeichen habe ich?“ Hellauf begeistert klebten die Kinder mit Streichhölzern ihr eigenes Sternbild auf eine Pappe.

Der Höhepunkt unseres Projektes war dann ein abendlicher Besuch des Planetariums in Köln-Nippes. Begleitet von jeweils einem Elternteil erfuhren die Kinder zahlreiche Infos zu unseren Planeten. Das Spannendste war wohl, als wir alle unter der riesengroßen Kuppel des Planetariums saßen und die Sternenbilder über uns hinweg flogen. Da konnte man schon mal die Orientierung verlieren.

Zu Karneval hatten wir die Idee, den kleinsten Hut zu falten. Und wie viele Hüte passen dann auf einen großen Hut?

So hätte es noch ewig weiter gehen können. Die Kinder sprudelten vor lauter Einfällen. Eine Führung zum Thema Dinosaurier im Museum König ist dann leider dem Corona-Virus zum Opfer gefallen. So endete unser Projekt recht abrupt.

Den Wettbewerb haben wir dieses Mal zwar nicht gewonnen, dafür aber eine spannende Reise erlebt, wo ein jedes Kind sich nach seinen eigenen Wünschen einbringen konnte. Leider konnte keine Abschiedsfeier des Projektes stattfinden, aber die Kinder bekommen fantastische Dokumentationsmappen und kleine Orden vom „Haus der kleinen Forscher“ als Erinnerung.

Steffi Seeburger-Rüth, Dipl. Soz.Päd.

Marion Haucke, Erzieherin & Heilpädagogin